Deutschfolk – das Buch

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre erlebten beide deutsche Staaten einen ebenso rasanten wie kurzlebigen Kulturknall: Junge Leute begeisterten sich für deutsche Volksmusik! In beiden Staaten war es eine Nischenmusik, handelte es sich um einen Gegenentwurf – zum kommerziellen respektive ideologisch verordneten Kulturbetrieb, zu gängigen Lebensmustern, zur politischen und gesellschaftlichen Macht. Die Grundüberzeugungen waren gleich: anti-bürgerlich, oppositionell, friedensbewegt, sozial, für die Emanzipation, gegen Atomkraft, alternativ. Als „Deutschfolk“ ging dieses Phänomen in die Kultur­geschichte ein.
Dieses Buch stellt erstmals umfassend die Geschichte des Volkslied-Revivals in beiden deutschen Staaten dar. Der Autor untersucht die soziokulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen, beschreibt den Hintergrund von Musikern und Publikum, und analysiert die Abhängigkeiten vom politischen Umfeld. Nach einem Niedergang ab den 80er Jahren gab es im neuen Jahrtausend einen neuen Aufschwung. Heute zeigt sich die Folkszene nicht mehr so politisiert wie in den 70er Jahren, dafür mit einem Hang zur Melancholie sowie auf höherem musikalischem Niveau.

Preis: 39 Euro

Pressestimmen

„Ein Super-Kompendium.“
Hanni Bode, ehemalige Redakteurin Radio DDR/Deutschlandradio

„Großartig.“
Prof. Tiago de Oliveira Pinto, Hochschule für Musik, Weimar

„Was für ein opulentes und schön gemachtes Buch!“
Dr. Eckhard John, Zentrum für populäre Kultur und Musik, Freiburg

„Ein wichtiges Buch.“
Mike Kamp, Herausgeber Folker

ISBN: 978-3-9819781-3-1

Format

gebunden, 520 Seiten, 276 Fotos und Dokumente, Lesebändchen, 1.075 gr
Herausgeber: Stadt Rudolstadt

Inhaltsverzeichnis

1 Weimar 1778
(Herder und das „Volkslied“ – Des Knaben Wunderhorn – Das deutsche? Volkslied – John Meier und das Deutsche Volksliedarchiv – Die Volksliedforschung in der DDR – Wolfgang Steinitz – Das Volkslied heute)

2 Eulengebirge 1844
(Der Aufstand der Weber – Das Hambacher Fest – Die Revolution von 1848 – Robert Blum – Friedrich Hecker – Auswanderung)

3 Hoher Meißner 1913
(Erster Freideutscher Jugendtag – Jugendbewegung und Zupfgeigenhansl – Die bündische Jugend – Der Nerother - Wandervogel – Muck Lamberty und die Neue Schar)

4 Burg Waldeck 1964
(Die bleiernen 50er in der BRD – Ostermärsche – Die Festivals auf Burg Waldeck – Waldeck und die Folgen)

5 Berlin - Hauptstadt der DDR 1965
(Das „Kahlschlag-Plenum“ – Hootenanny und Singebewegung – Das Repertoire in den Singeklubs – Festival des politischen Liedes)

6 Freiburg 1977
(Festival deutsches Volkslied – Wo sind unsere Lieder? – Wie der Schnabel gewachsen ist – Lieder aus dem Pott – Folk auf LP – Chöre, Bläser, Straßenmusiker – Die „Frauenfrage“ – Die Folk- und Liederszene und die RAF – Zwischen Hippie-Traum und Polit-Realität)

7 Leipzig 1977
(Der FINK und die ZAG Folklore – Die „Pappe“ – Dudelsäcke und andere Instrumente – Das demokratische Folkslied im SED-Staat – Die Folkszene und die FDJ – Leeder op Platt – Eine große Nischenszene)

8 Günzlhofen 1979
Die Biermösl Blosn und das BayWa-Lied – Eine Zensur findet - statt – Hammer=Rehwü und Folk-Oper – Der ZOV „Bühne“ in Gera – Der IM in der Folkszene)

9 Leipzig 1980
(Vom Bühnen- zum Mitmachtanz – Kurt Petermann und das Tanzarchiv Leipzig – Folkklub Leipzig – Der Mitmachtanz im Westen)

10 Dreyeckland 1981
Piraten- und freie Radios – Der Bayerische Rundfunk – Der WDR – Rundfunk der DDR – Platten und Zeitschriften)

11 Plauen 1989
(Das Malzhaus – British Forces Folk – Bundesdeutsche Folkclubs – Die Jugendzentren)

12 Rudolstadt 1991
(Vom Tanz- zum Folkfest - Es geht bergab – im Westen - Es geht bergab – im Osten)

13 Erfurt 2006
(Die Fernsehfeste der volkstümlichen Musik – Der (Tanz-)Schlager – Volkstümliches im Osten – Heimat – Ein völkisches Revival)

14 Dortmund 2009
(creole – Weltmusik in Deutschland – Die Sorben in der Lausitz – „Wir sind Zigeuner!“ – Schpil sche mir a lidele in Jiddisch – Deutschfolk und Weltmusik – Folk und Globalisierung – Das (politische) Volkslied im 21. Jahrhundert – Das romantische Revival der nuller Jahre)